Lösel, Clara
Clara Lösel; 4. Auflage; Gräfelfing: now, 2025; 191 Seiten; 133 mm x 20 mm x 188 mm; fest gebunden; 18,00 Euro
ISBN 978-3-68969-021-2
Ein Gedichtband als Spiegel Bestseller (bei den Ratgebern!) – hat es das überhaupt schon mal gegeben? Clara Lösel (25) hat das geschafft. Ihr Verlag bezeichnet sie als „Stimme der jungen Generation“. Das ist eine ziemlich steile Ansage, auf jeden Fall treffen ihre Texte den Nerv junger (und nicht mehr ganz so junger sowie älterer) Menschen. Sie schreibt über Liebe, Gerechtigkeit und Rassismus, über Hoffnung, Verzweiflung und Trost, über Essstörungen, Schönheitsideale und die Sorgen ihrer Generation. Eines ihrer bekanntesten Gedichte ist „faschisten-döner“, in dem sie 2 Nazis einen Plan schmieden lässt, wie sie unerkannt Döner essen können: „nun ist döner ja nicht deutsch. / daher wäre es ein skandal, / sähe man zwei nazis / in einem döner-lokal“. Mal ernst, mal witzig, mal traurig – auf jeden Fall zugänglich, greifen Lösels Texte alltägliche Erfahrungen auf und verdichten sie – und lassen Raum, sich selbst einzuschreiben. Viele ihrer Gedichte trägt Lösel in ganz eigenem Stil – nur ihr Gesicht in Großaufnahme – auf Social Media vor und es ist gut, sie in diesem Buch nachlesen und damit eben auch anderen vorlesen zu können. Ihre Gedichte helfen, nicht aufzugeben. Wer sie nicht liest, verpasst was. Und deshalb gehört dieser feine Gedichtband in jede KÖB (wenn er da nicht ohnehin schon im Bestand ist) mit aufgeschlossenem, ratlosem, suchendem oder sprachbegeistertem Publikum.
Christoph Holzapfel